Letzte Aktualisierung:
15.12.2023
9 Minuten
Kosten senken durch intelligentes Energiemanagement
Interview: Wie das Unternehmen be.storaged individuelle und intelligente Energiemanagementlösungen für Unternehmen entwickelt Bis 2030 sollen 80% der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werden. Bis 2045 sind es sogar 100%.
Im Zuge der Energiewende ändern sich nicht nur die Erzeugungsquellen, sondern es wird durch eine stetig steigende Elektrifizierung im Mobilitäts- und Wärmebereich insgesamt mehr Strom benötigt. Das treibt die Strompreise nach oben. Viele Unternehmen produzieren daher zunehmend ihren eigenen erneuerbaren Strom. Da Energieerzeugung und Bedarf jedoch zeitlich nicht immer deckungsgleich sind und die Erzeugung zudem wetterbedingten Schwankungen unterliegt, sind vor allem energieintensive Industrien darauf angewiesen, regelmäßig große Mengen Strom aus dem öffentlichen Netz zu beziehen. Dies kann zu sehr hohen Lastspitzen und damit zu hohen Netzentgelten führen. Weitere Preisanstiege zeichnen sich im Zuge des benötigten Netzausbaus für die kommende Jahre ab. Ein Batteriespeicher und ein intelligentes Energiemanagementsystem können daher insgesamt zu erheblichen Kosteneinsparungen beitragen. Wie genau das funktioniert, erklären Nils Spöring und Finn Neugebauer von unserem Tochterunternehmen be.storaged im Interview.
Inhalt:
- Was macht be.storaged eigentlich?
- Wie läuft eine Zusammenarbeit mit Euch ab?
- Für welche Art von Unternehmen arbeitet Ihr?
- Wie genau können Lastspitzen verringert werden?
- Wie kann der Batteriespeicher gefüllt werden?
- Welche Vorteile hat die von Euch entwickelte Software okean.os?
- Wie können Software und Batteriespeicher die E-Mobilität unterstützen?
- Wenn ich nun nach Euren Erklärungen der Meinung bin, dass ein Batteriespeicher das Richtige für mich sein könnte, welche Punkte spielen bei Eurer Analyse eine Rolle?
- Was kostet ein Batteriespeicher?
- Wie viel Zeit muss man einplanen, bis der neue Batteriespeicher steht?
- Gibt es eigentlich eine Förderung für Batteriespeicher?
- In welchem Gebiet ist be.storaged tätig?
- Wie sieht die Zukunft von be.storaged aus?
Nils, Finn, schön dass Ihr da seid! Fangen wir ganz vorne an: Was macht be.storaged eigentlich?
Nils: Wir sind vor über 5 Jahren als eine Art Start-Up aus der EWE hervorgegangen. Angefangen haben wir mit dem Bau und Betrieb eines Großspeichers in Varel, der hauptsächlich dazu dient, das Netz vor Ort stabil zu halten. Je nach Bedarf nimmt er überschüssigen Strom auf oder speist ihn wieder ins Netz ein. Inzwischen verstehen wir uns als vollständigen Umsetzungspartner für intelligente Batteriespeicherlösungen für Industrie- und Gewerbekunden. Wir analysieren Daten, bewerten die Kundeninfrastruktur und setzen Batteriespeicherprojekte ganzheitlich bis zum laufenden Betrieb um. In den meisten Fällen inkludiert diese Leistung Batteriespeicher, der aber nicht zwingend erforderlich ist. Im Gegensatz zu anderen Anbietern von Batteriespeichern arbeiten wir technologieoffen- und herstellerunabhängig. Darüber hinaus haben wir eine eigene Energiemanagement-Software entwickelt, mit der wir nicht nur die eigens umgesetzten Projekte intelligent steuern, sondern auch bereits installierte und weniger intelligent gesteuerte Speicher und Erzeugereinheiten optimieren. Wir können die Erlöse des Speichers in der Regel um mindestens 40% erhöhen, indem wir naheliegende Anwendungsfälle wie eine Eigenverbrauchsoptimierung mit komplexeren Formen Lastspitzenkappung und einer Vermarktung kombinieren. Dies grenzt uns ganz entscheidend vom Wettbewerb ab.Wie läuft eine Zusammenarbeit mit Euch ab?
Nils: Am Anfang steht immer die Analyse. Eine erste Potenzialanalyse erstellen wir kostenlos anhand einiger Daten wie bspw. dem Lastprofil des Unternehmens. Anhand dieser Daten und wenigen Zusatzinformationen lässt sich detailliert bestimmen, ob und in welchen Größenklassen ein Batteriespeicher für das Unternehmen infrage kommt. Nach Wunsch folgt im Anschluss entweder der Start ins Projekt oder eine detaillierte Wirtschaftlich-Technische-Potenzialanalyse, in der wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit den technischen Ortsbedingungen des Kunden zusammenbringen und ein vollständiges Konzept als Entscheidungsgrundlage für das Projekt erarbeiten.
Finn: Im Idealfall folgt dann die Umsetzung des Projekts. Hier übernehmen wir alle möglichen Schritte der Projektierung und Inbetriebnahme. Wir kümmern uns um die Zertifizierung der Anlage, die Einhaltung lokaler Vorschriften zum Beispiel im Bereich Brandschutz und begleiten gegebenenfalls die Beantragung einer Baugenehmigung. Besonders stark sind wir – und auch das unterscheidet uns von anderen Anbietern – im laufenden Betrieb. Mit unserem eigens entwickelten Energiemanagementsystem okean.os sind wir in der Lage, alle stromverbrauchenden und -erzeugenden Anlagen eines Unternehmens effizient zu monitoren und ggfs. zu steuern.
Für welche Art von Unternehmen arbeitet Ihr?
Nils: In der Regel lohnt sich eine Beratung hinzu einer individuellen Energiemanagementlösung nur für RLM-Kund:innen (RLM = registrierter Leistungsmessung) – also für Unternehmen, deren Lastgang in kurzen Intervallen gemessen wird. Diese verbrauchen in der Regel mindestens 100.000 kW/h Strom im Jahr und zahlen individuelle Netzentgelte. Bei deren Berechnung spielen vor allem die Lastspitzen eine Rolle und weniger der durchschnittliche Gesamtverbrauch über das Jahr. Dabei gilt: Je höher die Lastspitzen, also die Ausschläge im Lastgang, desto höher die Netzentgelte. Unser Angebot zielt daher vor allem darauf ab, diese Lastspitzen durch eine intelligente Steuerung des Energieverbrauchs zu vermeiden bzw. zu reduzieren.Wie genau können Lastspitzen verringert werden, um Netzentgelte zu sparen?
Finn: Hier muss man ganz klar unterscheiden: Bei dem Anwendungsfall der Lastspitzenkappung geht es nicht unbedingt darum, weniger Strommengen zu verbrauchen, sondern darum, zu gewissen Zeitpunkten weniger Strom aus dem Netz zu beziehen, um Netzentgelte zu sparen. Der Kunde bemerkt in der Produktion keinen Unterschied.
Nils: Dazu kann ich ergänzen, dass es mit unserem Energiemanagementsystem okean.os durchaus möglich ist, den Energieverbrauch insgesamt zu optimieren. Die Software ermöglicht es, abschaltbare Lasten innerhalb eines Unternehmens anzusprechen und bspw. Kühlprozesse mit in die intelligente Steuerung aufzunehmen. Dies kann neben der Vermeidung von Lastspitzen auch zu einer Reduktion des Gesamtstromverbrauches führen.
Wie kann der Batteriespeicher gefüllt werden?
Nils: Der Batteriespeicher wird entweder mit überschüssigem Strom bspw. aus PV- oder Windkraftanlage oder mit Netzstrom aufgeladen. Mit unserer Software können wir auch problemlos Blockheizkraftwerke oder andere Erzeugereinheiten einbinden und intelligent steuern.Ihr habt schon viel über Eure Software okean.os erzählt, hat diese noch weitere Vorteile?
Finn: Unsere Software sorgt dafür, dass vor Ort bei unseren Kunden Eigenerzeugungsanlagen, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und in Einzelfällen auch abschaltbare Lasten intelligent miteinander kommunizieren und im Gesamtsystem maximal effizient eingesetzt werden. Darüber hinaus ermächtigt uns die Software zu einer sehr hohen Reaktionsgeschwindigkeit im Falle einer Störung der Systeme. Mit unserem Betriebsteam können wir unseren Kunden damit ein hohes Level an Service bieten.
Nils: Eine selbst entwickelte Benutzeroberfläche gibt sowohl uns als auch unseren Kunden einen geordneten und schönen Überblick über sein Energiesystem. Wir können alle Daten im laufenden Betrieb jederzeit überwachen und visualisieren. Mit einem Zugang für jeden Kunden ist die Software ganz einfach über den Browser zugänglich.
Intelligente Software und Speicher sind also auch für die E-Mobilität sehr nützlich?
Nils: Ja, genau. Man stellt sich vor, morgens um 6 Uhr beginnt die Produktion, alle Maschinen werden hochgefahren, die Kaffeemaschinen laufen auf Hochtouren und dann kommen die Mitarbeitenden und schließen ihre E-Autos an den firmeneigenen Ladesäulen an. Da ist schnell eine Lastspitze erreicht. Unsere Software kann dann zum Beispiel steuern, dass die Autos morgens nur langsamer geladen werden und mittags, wenn die Sonne scheint, schneller wieder voll sind.
Finn: Theoretisch könnten wir auch die Kaffeemaschinen und Cola-Automaten drosseln, aber das will ja keiner! Aber im Ernst: Gerade bei Ladesäulen, die im öffentlichen Raum stehen, können und werden Batteriespeicher sehr nützlich sein. Insbesondere wenn man etwas weiter außerhalb ist, sind oftmals gar keine entsprechenden Stromleitungen vorhanden, um stabil genug Energie an die Ladesäulen zu liefern. Ein Speicher kann hier Abhilfe schaffen und zusätzliche Energie zur Verfügung stellen. Dies haben wir in Mainz als Inselbetrieb realisiert. Sämtlicher Strom für den Ladepark wird lokal über Photovoltaik erzeugt und gespeichert, bis er verwendet werden kann. Auch hier ergänzen sich Batteriespeicher und Software perfekt.



