Deutschland plant die Klimaneutralität
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Deutschlands Weg in die Klimaneutralität       

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Grüne Energie
Energiewende
Klimaneutralität
15.08.2021  8 Min.
Autor: Redaktion EWE business

Deutschlands Weg in die Klimaneutralität

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Ressourcenschonung

Bis 2030 ist das EU-Klimaziel eine mindestens 55-prozentige Reduktion der europäischen Treibhausgasemissionen gegenüber dem Jahr 1990. Neue EU-Vorgaben sowie das jüngst vom Bundesverfassungsgericht für unzureichend erklärte Klimagesetz von 2019 setzen die Messlatte für die Klimaziele von Deutschland noch ein Stück höher. Nun sollen die Emissionen bis 2030 sogar schon um 65 Prozent reduziert werden.

 

Grafik: EWE

 

Das gesamte Klimaziel hat Auswirkungen auf die folgenden Bereiche: Gebäudesektor, Energiewirtschaftssektor, Industriesektor, Verkehrssektor, Landwirtschaftssektor sowie die Kategorie Sonstige. Diese vereint kleinere Sektoren miteinander.

 

Im letzten Jahr sind die Emissionen in Deutschland insgesamt bereits um 8,7 Prozent gesunken.1 Es konnten 12 Mio. Tonnen CO2 mehr eingespart werden als ursprünglich geplant. Einer der größten Treiber war hier die Corona-Pandemie und die deutlichen Senkungen im Verkehrssektor. Das neue Ziel ist es, bis 2030 die Emissionen um 65 Prozent zu reduzieren und bis 2045 völlig klimaneutral zu sein.2 Zudem strebt die Europäische Union auf lange Sicht europaweite Klimaneutralität an. Somit soll Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden.3

Klimaneutralität – was bedeutet das?

Die Europäische Union beschreibt die Bedeutung von Klimaneutralität so, dass ein Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken hergestellt wird. Unter Kohlenstoffsenken versteht sich ein System, welches mehr Kohlenstoff aufnimmt, als es abgibt. Darunter fallen Böden, Wälder und Ozeane ¬– diese werden auch als natürliche Senken bezeichnet. Möchte Europa also klimaneutral sein, muss der Kontinent so viele CO2-Emissionen beseitigen, wie er produziert. Das heißt, um weltweit das Ziel der „Netto-Null-Emissionen“ zu erreichen, gilt es, alle Treibhausgasemissionen weltweit durch Kohlenstoffbindungen auszugleichen.4

Was bedeutet das Klimaziel für die für uns besonders wichtigen Sektoren Gebäude und Energiewirtschaft?

 

Der Gebäudesektor macht in seiner Gänze 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland aus.5 2020 erzielte dieser Bereich eine Emissionsminderung von etwa 3 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten.6 Das entspricht einem Rückgang von gut 2,8 Prozent. Dies hängt u.a. von dem geringeren Brennstoffverbrauch in der Gewerbe-, Handel- sowie Dienstleistungsbranche ab. Dennoch hat der Sektor 2020 seine geplante Jahresemissionsmenge von 118 Mio. Tonnen um 2 Mio. Tonnen überschritten.7

 

Um die geplante Reduktion zu erreichen, gilt es zentrale Maßnahmen in diesem Bereich zu ergreifen. Dazu zählen die Steigerung der Energieeffizienz, der Ausbau des Einsatzes erneuerbarer Energien und die Sektorkopplung, also die Vernetzung der Sektoren der Industrie sowie der Energiewirtschaft, für Beheizung, Warmwasser, Kühlung und Beleuchtung. Unter anderem handelt es sich dabei um die energetische Sanierung von Altbauten wie beispielsweise der Heizungstausch. Der Umstieg von alten Öl- und Gasheizungen auf klimafreundliche Anlagen oder direkt auf erneuerbare Wärme sind hier gesteckte Ziele. Auch der Einbau neuer Fenster und die Dämmung von Dächern sowie Außenwänden zählen dazu.

 

Bis 2050 sieht die Planung vor, dass der Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein wird. Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen, sind sowohl anspruchsvolle Neubaustandards, langfristige Sanierungsstrategien für den alten Gebäudebestand, sowie die schrittweise Abkehr von fossilen Heizungssystemen.8

 

Im Energiewirtschaftssektor wurde 2020 mit rund 38 Millionen Tonnen CO2 der größte Emissionsrückgang verzeichnet. Dies entspricht einer Reduzierung von 14,5 Prozent zum Vorjahr 2019. Mit rund 221 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten bleibt der Sektor 2020 unterhalb der vom Bundesklimaschutzgesetz erlaubten Jahressmissionsmenge von 280 Mio. Tonnen.

 

Zu dieser Entwicklung tragen mehrere Faktoren bei. Dazu gehören u.a. der Rückgang der Emissionen aus der Verstromung von Braun- sowie Stein-Kohle, die CO2-Bepreisung, der Einsatz erneuerbarer Energien und der Rückgang des Bruttostromverbrauchs, der auf den Corona-Lockdown zurückzuführen ist.9

 

Gemäß neuesten Beschlüssen sollte die Minderung der CO2-Emissionen bis 2030 – gegenüber 1990 – 67 Mio. Tonnen betragen.10 Auf Grund der weiter geplanten Minderungen in diesem Bereich, wird der Energiewirtschaftssektor auch zukünftig einen erheblichen Beitrag zur weiteren Reduktion hin zum Klimaziel 2030 leisten müssen. Dies bedeutet, dass die angestoßenen Maßnahmen, wie beispielsweise der Rückgang fossiler Energieversorgung durch kontinuierliche Abschaltung der Braun- und Steinkohlekraftwerke, der damit verbundene weitere Ausbau von erneuerbaren Energien, sowie das Aufzeigen lukrativer Alternativen ambitioniert weitergeführt werden.11 Die Ressourcenschonung sowie das Erreichen eines möglichst niedrigen Primärenergiefaktors stehen dabei im Fokus. Denn EU-intern wurde zusätzlich beschlossen, dass bis 2030 der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch der EU auf mindestens 32 Prozent gesteigert werden soll. Zudem soll der Primärenergieverbrauch der EU, also der Energiegehalt aller im Inland eingesetzten Energieträger, um mindestens 32,5 Prozent reduziert werden.12

Die Klimaziele von EWE

Die Bedeutung des Klimawandels und dessen Eingrenzung ist längst bei vielen Unternehmen in den Fokus gerückt. Auch der Energie- und Telekommunikationsdienstleister EWE hat sich das Ziel gesetzt seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und will bis 2035 klimaneutral aufgestellt sein. Mit dem Ausbau von Windkraftanlagen und weitere Maßnahmen wird EWE auch für zukünftige Generationen eine klimaneutrale Energieversorgung bieten und gewährleisten können. Ab dem kommenden Jahr wird „grüner Strom“ für EWE-Kunden zum Standard, sodass 85 Prozent der Privat- und Gewerbekunden Strom aus erneuerbaren Energien beziehen werden. Im letzten Jahr konnte das Unternehmen bereits die spezifischen CO2 -Emissionen der Stromproduktion um 54 Prozent auf 267 Gramm pro Kilowattstunde senken (2019: 497 Gramm pro Kilowattstunde).13 Der Ausstieg der Kohleverstromung bis 2023, Wasserstofftechnologien sowie der Ausbau von erneuerbaren Energien sind weitere Faktoren auf dem Weg zur Klimaneutralität.14

Fußnoten (Quellen und weiterführende Informationen)

1 https://www.bmu.de/pressemitteilung/treibhausgasemissionen-sinken-2020-um-87-prozent/

 

2 https://www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/klimaschutzgesetz_84342_543040.html?ecmId=32414&ecmUid=4111954&chorid=00571807&newsletter=news%2FPortal-Newsletter%2FImmobilienWirtschaft%20%2F142%2F00571807-%2F2021-05-18%2FTop-News-Schaerferes-Klimaschutzgesetz-fordert-Immobilienbranche-heraus

 

https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20190926STO62270/was-versteht-man-unter-klimaneutralitat

 

https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20190926STO62270/was-versteht-man-unter-klimaneutralitat

 

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/klimaschutzprogramm-2030-1673578

 

6 „CO₂-​Äquivalente (CO₂e) sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase.“ https://www.myclimate.org/de/informieren/faq/faq-detail/was-sind-co2-aequivalente/

 

https://www.bmu.de/pressemitteilung/treibhausgasemissionen-sinken-2020-um-87-prozent/

 

https://www.bmu.de/themen/klima-energie/klimaschutz/nationale-klimapolitik/klimaschutzplan-2050/#c8420

 

https://www.bmu.de/pressemitteilung/treibhausgasemissionen-sinken-2020-um-87-prozent/

 

10 https://www.deutschlandfunk.de/auf-dem-weg-zur-klimaneutralitaet-die-neuen-klimaziele-fuer.2897.de.html?dram:article_id=496894

 

11 https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/klimaschutzprogramm-2030.html

 

12 https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/klimaschutzprogramm-2030-1673578, S.14

 

13 https://www.ewe.com/de/presse/pressemitteilungen/2021/04/ewe-trotz-pandemie-erfolgreich-ewe-ag

 

14 https://www.ewe.com/de/konzern/aktuelles/aktuelles/2021/2021-04-28-bpk

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