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Spotmarkt und Terminmarkt

So funktioniert die Strombörse

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Effizienz
Energiewende
Grüne Energie
02.12.2021  8 Min.
Autor: Team EWE business

Strom am Spotmarkt kaufen – so geht's

Wir erklären, wie der Handel an der Strombörse funktioniert

Der kurzfristige Einkauf von Strom am Spotmarkt kann eine gute Möglichkeit für Unternehmen sein, ihre Stromkosten zu senken – zumal diese Art des Strombezugs durch die zunehmende Einspeisung von Energie aus Windkraft und Photovoltaik immer attraktiver wird. Doch warum ist das so? Wir erklären die Organisation des Stromhandels und wie Unternehmen von der aktiven Teilnahme am Strommarkt profitieren können.

 

Angesichts der kontinuierlich steigenden Strompreise der letzten zehn Jahre denken viele Unternehmen darüber nach, ihren Stromeinkauf zu optimieren und so Kosten zu senken. Eine Möglichkeit der Kostenreduzierung kann darin bestehen, Strom über den Spotmarkt zu kaufen. Doch wie lassen sich damit die Stromkosten herunterschrauben? Dazu muss man zunächst einmal wissen, wie der Strommarkt aufgebaut ist.

 

Wie ist der Strommarkt organisiert?

Der überwiegende Teil des Stromhandels, nämlich an die 75 Prozent, findet in Deutschland als sogenannter „Over-the-Counter“-Handel, kurz OTC-Handel, statt. Bei diesem Handel „über-den-Tresen“ verhandeln Stromverkäufer und -einkäufer direkt miteinander und schließen bilaterale Kaufverträge ab. Die ausgehandelten Preise orientieren sich meist an den Preisen an den Strombörsen, über die die restlichen 25 Prozent des Stromhandels laufen. Wie an jeder Börse bestimmen Angebot und Nachfrage über Auktionen den Preis. Je nachdem für welchen Lieferzeitraum der Strommengen die Händler ihre Gebote abgeben, spielen sich die Auktionen entweder auf dem Terminmarkt oder auf dem Spotmarkt ab.

 

Was ist der Terminmarkt?

Am Terminmarkt werden die langfristigen Geschäfte mit Strom getätigt, die sogenannten Futures. Neben dem OTC-Handel finden diese an der Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig statt. Futures heißen die Geschäfte, weil der Stromeinkäufer damit bereits im Voraus seinen Strom zu einem fixen Preis einkauft. Die Lieferzeitpunkte dieser an der EEX gehandelten Stromkontingente können durchaus mehrere Jahre in der Zukunft liegen. Damit sichern sich Stromeinkäufer und -verkäufer mit einem Festpreis gegen Preisänderungen am Strommarkt ab.

 

Was ist der Spotmarkt?

Am Spotmarkt hingegen wird Strom kurzfristig gehandelt. Für den Spotmarkt an der Strombörse ist die EEX-Tochter European Power Exchange (EPEX) mit Sitz in Paris zuständig. Die EPEX SPOT beliefert unter anderem Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Der Spotmarkt teilt sich in zwei Teilmärkte auf: in den Day-Ahead-Markt und den Intraday-Markt. Beim Day-Ahead-Handel wird Strom für den Folgetag gehandelt, beim Intraday-Handel solcher, der noch am selben Tag geliefert wird. Bei Letzterem sind Geschäftsabschlüsse bis fünf Minuten vor Lieferbeginn möglich.

 

Mit Zunahme der erneuerbaren Energien verändert sich der Stromhandel  

Der Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien am Markt steigt stetig und damit nehmen auch die Preisschwankungen an der EPEX-Strombörse zu. Denn Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen fließt nur dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Da das Wetter aber naturgemäß ständig wechselt, schwankt auch die Menge an Strom, die durch erneuerbare Energien erzeugt werden kann. Und je mehr Grünstrom im Strommix vorhanden ist, desto mehr wirken sich diese Schwankungen aus.

 

Ein Beispiel: Ändern sich die Windprognosen und es weht mehr Wind als vorher gedacht, kann das zu einer höheren Stromeinspeisung führen als geplant. Sinkt dann parallel auch noch die Nachfrage, fällt auch der Strompreis für diesen Zeitraum. Das kann sogar zu negativen Preisen führen. Sprich: Wer in diesen Stunden mit zu viel Windstrom Strom einkauft, bekommt sogar Geld dafür. Weil die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien in Zukunft noch zunehmen wird, werden sich solche Szenarien künftig aller Voraussicht nach häufen. Und davon wiederum können Unternehmen profitieren, indem sie am Spotmarkt partizipieren.

 

Wie können Unternehmen nun von den niedrigen Preisen am Spotmarkt profitieren und sogar grüner werden?

Übers Jahr gesehen lag der Strompreis am Spotmarkt in der Vergangenheit meist unter dem des Terminmarktes. Im Schnitt lag der Preisvorteil gegenüber einem Festpreis in den vergangenen Jahren bei etwa zehn Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass ein Festpreis eine Art „Risikoprämie“ enthält, da kein Lieferant im Moment der Abgabe eines Festpreisangebotes genau prognostizieren kann, wann ein Unternehmen in der Zukunft wie viel Energie benötigen wird. Aufgrund der täglichen Beschaffung am Spotmarkt ist eine solche Risikoprämie – zum Vorteil der Kunden – jedoch in einem Liefervertrag, der auf Spotpreisen basiert, entbehrlich. Hinzu kommt, dass es auf dem Spotmarkt durch die bereits beschriebenen Entwicklungen am Strommarkt künftig voraussichtlich mehr Niedrigpreisphasen als bislang geben könnte. Einen Marktzugang erhalten Unternehmen beispielsweise über EWE. Die Profis im Stromhandel kaufen dann im Auftrag des Unternehmens auf dem Spotmarkt die vereinbarten Strommengen ein. Die Abrechnung erfolgt transparent zu den Stunden-Börsenpreisen, auch zu Negativpreisen. Optional gibt es den Spotmarkt-Strom auch als Grünstrom, der ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Der Anteil an grünem Strom an der Jahresabnahmemenge lässt sich flexibel festlegen. So können Unternehmen nicht nur ihre Stromkosten reduzieren, sondern auch ihren Beitrag zur Energiewende leisten und ihr Image in Sachen Nachhaltigkeit verbessern.

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