Schaffen Sie mehr Cyber­resilienz

und machen Ihr Unternehmen nach Angriffen schnell wieder arbeitsfähig

Ein Mann, der am Schreibtisch mit Bildschirmen sitzt, lächelt und die Arme hinter dem Kopf verschränkt

Letzte Aktualisierung:

29.05.2026

7 Minuten

Cyberresilienz steigern: Ihr umfassender Ratgeber mit Frameworks, KPIs und interaktiver Checkliste

Mehr als 200 Milliarden Euro Schaden entstehen der deutschen Wirtschaft pro Jahr durch erfolgreiche Cyberangriffe, meldet der Branchenverband Bitkom. Eine Entspannung der Bedrohungslage ist laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auch nicht in Sicht. Für die meisten Unternehmen stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob sie angegriffen werden, sondern wie sie Angriffe abwehren und den entstehenden Schaden möglichst gering halten können.

In unserem Artikel finden Sie eine Checkliste mit Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Cyberresilienz aktiv steigern können. Sie erhalten außerdem das nötige Hintergrundwissen zu wichtigen Begriffen, relevanten KPIs (z. B. MTTR; RTO), anerkannten Frameworks (z. B. NIST) und Branchenstandards (z. B. ISO 27001). So können Sie Ihre Cyberresilienz messen und Ihre Investitionsentscheidungen begründen. Doch bevor wir in die konkreten Maßnahmen eintauchen, erklären wir Ihnen zunächst, was genau unter Cyberresilienz zu verstehen ist.

Was ist eigentlich Cyberresilienz? Definition und Abgrenzung

Cyberresilienz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit eines Systems oder Unternehmens gegenüber Cyberangriffen, Datenverlusten und anderen Arten von IT-Sicherheitsverletzungen. Sie umfasst proaktive und präventive Maßnahmen, Strategien zur schnellen und effektiven Abwehr von Cyberangriffen sowie Wiederherstellungsprozesse nach einer erfolgreichen Attacke. Cyberresilienz ist adaptiv und muss kontinuierlich eingehalten und verbessert werden, um auf neue Bedrohungen reagieren zu können. Das amerikanische NIST Cyber Security Framework ist ein praxisorientiertes Werkzeug, um Ihre Cyberresilienz systematisch aufzubauen und kontinuierlich zu verbessern. Es umfasst sechs Phasen: Govern (Führen), Identify (Identifizieren), Protect (Beschützen), Detect (Erkennen), Respond (Reagieren) und Recover (Wiederherstellen).

Kurz gesagt: Cyberesilienz sorgt dafür, dass Ihr Unternehmen auch dann funktionsfähig bleibt, wenn ein Angriff erfolgreich ist.


Cyberresilienz vs. Cybersecurity vs. Business Continuity Management

Diese drei Begriffe sind entscheidend, wenn es darum geht, Ihr Unternehmen vor Ausfällen und Störungen zu schützen. Sie überschneiden sich in der Praxis teilweise, lassen sich aber doch klar voneinander unterscheiden:

Cybersecurity: Der Bereich Cybersecurity umfasst einen Katalog an Schutzmaßnahmen, mit denen Sie Ihre IT-Systeme und Daten vor Angriffen schützen.

Cyberresilienz: Mit der Fähigkeit Cyberresilienz stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen trotz eines Cyberangriffs handlungsfähig bleibt, Sie sich schnell von einem Angriff erholen und Ihre Schutzmaßnahmen anpassen können.

Business Continuity Management (BCM): Das BCM ziel darauf ab, Ihren Geschäftsbetrieb jederzeit aufrechtzuerhalten und kritische Geschäftsprozesse bei jeder Art von Störung weiterlaufen zu lassen – egal, ob es sich dabei um einen Cyberangriff, ein Naturereignis oder eine andere Form von Angriff handelt.

Der Cyberresilienz-Prozess: Detect – Respond – Recover

Das NIST Cybersecurity Framework (NIST CSF) ist ein international anerkanntes Rahmenwerk für das Management von Cyberrisiken. Es wurde vom National Institute of Standards and Technology (NIST), einer Behörde des US-Handelsministeriums, entwickelt. Es umfasst sechs zentrale Funktionen, die den gesamten Lebenszyklus eines Cybervorfalls abbilden und somit alle Aspekte der Cyberresilienz abdecken:

Govern (Führen): Hier werden die organisatorischen und strategischen Grundlagen für die Cyberresilienz gelegt. Aufgaben, Rollen, Verantwortlichkeiten und Budgets werden klar definiert und verteilt.

Identify (Identifizieren): In dieser Phase wird definiert, welche Systeme, Daten und Prozesse für den Geschäftsbetrieb kritisch sind und daher besonders vor Bedrohungen geschützt werden müssen.

Protect (Schützen): Jetzt werden vorbeugende technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen wie Firewalls, Multi-Faktor-Authentifizierungen, Backup-Konzepte und Mitarbeiterschulungen umgesetzt, um die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffs zu reduzieren.

Detect (Erkennen): In dieser Phase geht es darum, mit geeigneten Methoden wie einem SOC, einer Log-Analyse oder einem SIEM Sicherheitsvorfälle so schnell wie möglich zu erkennen.

Respond (Reagieren): Sobald ein Sicherheitsvorfall erkannt wurde, müssen Sie schnell und effektiv darauf reagieren, um den Angriff einzudämmen. Dazu braucht es klar definierte Incident-Response-Pläne und Kommunikationswege.

Recover (Wiederherstellen): Im letzten Schritt müssen alle Systeme und Prozesse zügig und geordnet wieder in den Normalbetrieb überführt werden.

Warum Cyberresilienz entscheidend ist: der Business Case und ROI

Das erklärte Ziel der Cyberresilienz ist es, Betriebsunterbrechungen entweder ganz zu vermeiden oder sie so kurz wie möglich zu halten. Denn ein IT-Ausfall kann sehr schnell sehr teuer werden und im schlimmsten Fall zur Insolvenz führen. Wie teuer eine Stunde Downtime ist, hängt stark von Ihrer Branche und der Größe Ihres Unternehmens ab. Verschiedene Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, was ein IT-Ausfall kostet: von 500 Euro bei kleineren Unternehmen bis hin zu mehreren Tausend Euro. Für eine genaue Betrachtung stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Wie viele Mitarbeitende wären zu welchem Stundensatz wie lange damit beschäftigt, den Angriff abzuwehren und hinterher die Systeme, Daten und Prozesse wiederherzustellen?
  • Wie viele Mitarbeitende könnten in dieser Zeit nicht arbeiten?
  • Wie viele Bestellungen oder Aufträge könnten in dieser Zeit verloren gehen?
  • Welche Kosten entstehen durch die Wiederherstellung, einen möglichen Datenverlust oder Produktionsausfall?
  • Welche langfristigen Folgekosten können etwa durch Image- und Reputationsschäden entstehen?

Insbesondere Cyberangriffe, die mit einem Datenverlust einhergehen, können auch zu rechtlichen Konsequenzen und Bußgeldern führen. In nahezu jedem Fall und auf lange Sicht sind eine effektive IT-Sicherheit und eine starke Cyberresilienz kostengünstiger als erfolgreiche Cyberangriffe.

Schlüssel-KPIs zur Messung Ihrer Cyberresilienz: MTTR, RTO und RPO im Fokus

Damit Sie messen können, wie hoch Ihre Cyberresilienz wirklich ist und ob Ihre Maßnahmen greifen, stellen wir Ihnen die drei wichtigsten Kennzahlen (KPIs) vor:

MTTR (Mean Time to Recover/Repair): Diese Kennzahl beschreibt die durchschnittliche Zeit, die benötigt wird, um alle Systeme und Prozesse nach einem Ausfall wiederherzustellen. Sie ist abhängig von der Art des Angriffs und Ihrer Cyberresilienz. Messen Sie dabei auch, ob Ihre MTTR an Wochenenden und Feiertagen deutlich höher ist als während der offiziellen Arbeitszeiten.

RTO (Recovery Time Objective): Mit dem RTO legen Sie die maximal tolerierbare Ausfallzeit fest und ergreifen Maßnahmen, um diese einzuhalten. Die Frage ist dabei, wie lange Ihr Unternehmen einen IT-Ausfall überstehen kann, bevor es kritisch wird. Eine kurze Recovery Time begrenzt in der Regel Ihre Umsatz- und Produktionsverluste sowie Image- und Vertrauensverluste.

RPO (Recovery Point Objective): Mit dem RPO definieren Sie Ihren maximal tolerierbaren Datenverlust. Dabei wird der Zeitraum zwischen dem letzten gesicherten Datenstand und dem Zeitpunkt des Ausfalls gemessen. Der Recovery Point kann unter anderem durch häufige Backups und sichere Datenbank- und Storage-Technologien verkürzt werden.

Fragen Sie sich, wie Sie Ihr Unternehmen optimal schützen?

Ihr Weg zur robusten Abwehr: Die interaktive 10-Schritte-Checkliste zur Cyberresilienz

Mit diesen zehn Schritten können Sie Ihre Cyberresilienz systematisch verbessern.

1. Etablieren Sie ein umfassendes IT-Sicherheitskonzept

IT-Sicherheit und Cyberresilienz sind strategische Themen, die von der Geschäftsführung getragen und von der IT-Abteilung operativ umgesetzt werden müssen. Aufgaben, Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse müssen klar definiert werden, damit im Ernstfall alle sicher und schnell richtig reagieren können.

Relevante Tools und Werkzeuge:

  • Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS)
  • Orientierung am NIST CSF oder der ISO 27001
  • IT-Basisschutz des BSI

Mehr Informationen zum Basisschutz finden Sie in unserem Artikel.

2. Setzen Sie eine Firewall und ein Antivirenprogramm ein

Verhindern Sie mit einer modernen Firewall und einem KI-gestützten Antivirenprogramm, dass Unbefugte Zugriff erhalten oder Schadsoftware in Ihr System gelangt. Achten Sie zudem darauf, dass beide immer auf dem neuesten Stand sind und verdächtige Aktivitäten schnellstmöglich melden.

Relevante Tools und Werkzeuge:

  • Eine Managed Firewall, bei der sich ein erfahrener Dienstleister um die Konfiguration und den täglichen Betrieb kümmert.
  • Hochmoderne Antivirenlösungen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz auch neue Angriffsmethoden erkennen.
  • Ein Endgeräteschutz, der verhindert, dass Schadsoftware beispielsweise über die Handys Ihrer Mitarbeitenden ins System gelangt.
  • Ein E-Mail-Schutz, der verhindert, dass Ihre Systeme über Malware in E-Mails und Anhängen infiziert werden.

3. Installieren Sie regelmäßig Updates und Patches

Jede eingesetzte Software muss regelmäßig aktualisiert werden. Setzen Sie daher nach Möglichkeit auf automatische Softwareupdates, damit bekannte Sicherheitslücken nicht unnötig lange offenbleiben.

Relevante Tools und Werkzeuge:

  • Ein professionelles Schwachstellenmanagement 
  • Ein regelmäßiger Schwachstellenscan, bei dem Ihr System auf offene Schwachstellen und Konfigurationsfehler überprüft wird.

4. Schaffen Sie robuste Netze und Redundanzen

Cyberangriffe zielen in der Regel nur auf einen Teil Ihrer IT-Infrastruktur ab und nicht auf alles auf einmal. Mit Redundanzen stellen Sie sicher, dass im Falle eines Ausfalls einer Komponente eine zweite, identische direkt übernehmen kann. Hochverfügbare, robuste Elemente erhöhen ebenfalls Ihre Ausfallsicherheit.

Konkrete Maßnahmen:

  • Hochverfügbare Komponenten wie eine Glasfaserdirektanbindung, die generell weniger häufig ausfällt.
  • Grundlegende Elemente wie Ihre Internetanbindung, Firewall, Switches und Router sollten mindestens doppelt vorhanden sein.
  • Automatische Failover-Prozesse, damit im Ernstfall die Übergabe reibungslos funktioniert.

Laden Sie hier unser kostenloses Whitepaper zum Thema Direktanbindung herunter.

Mehr zum Thema „Robuste Netze“ lesen Sie in unserem Artikel.

5. Etablieren Sie eine Backup-Strategie

Reduzieren Sie Ihren Datenverlust im Ernstfall auf ein Minimum (RPO) und verhindern Sie zum Beispiel Betriebsunterbrechungen während eines Ransomware-Angriffs.

Relevante Tools und Werkzeuge:

  • 3-2-1-Strategie für Backups: Besitzen Sie mindestens drei Kopien Ihrer Daten, auf mindestens zwei verschiedenen Speichermedien, von denen sich mindestens eines an einem anderen Ort befindet.
  • Speichern Sie Ihre Daten beispielweise automatisch in einem externen Rechenzentrum, das deutlich höhere Sicherheitsstandards als Ihr Serverraum erfüllen kann.

6. Setzen Sie auf das Zero-Trust-Prinzip und eine Segmentierung Ihres Netzwerks

Verhindern Sie unbefugte Zugriffe und vermeiden Sie, dass sich Cyberkriminelle schnell in Ihrem Netzwerk ausbreiten können, nur weil sie sich Zugang zu einem Bereich geschaffen haben.

Relevante Tools und Werkzeuge:

  • Zero-Trust-Prinzip: Sie gehen davon aus, dass es keine vertrauenswürdigen Netzwerke und Benutzer gibt. Deshalb muss jeder einzelne Zugriffsversuch überprüft und autorisiert werden.
  • Segmentierung des Netzwerks: Unterteilen Sie Ihre IT-Netzwerke in einzelne, isolierte Bereiche, die jeweils eine eigene Zugriffskontrolle erfordern.

7. Erstellen Sie einen Notfallplan

Handeln Sie bei einem Sicherheitsvorfall nicht planlos, sondern folgen Sie einem klaren Notfallplan, den Sie regelmäßig mit Table-Top-Übungen oder ähnlichem überprüfen.

Konkrete Inhalte:

  • Wer übernimmt welche Aufgaben im Notfall?
  • Welche Systeme und Prozesse haben Priorität?
  • Wie sind die Kommunikationswege?
  • Welche externen Dienstleister können unterstützen?
  • Welche Kund:innen, Lieferant:innen oder Partner:innen müssen informiert werden?
  • Muss eine offizielle Mitteilung an eine Behörde erfolgen?
  • Welche Anwaltskanzleien oder PR-Beratungen können Sie kurzfristig hinzuziehen?

8. Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden regelmäßig im Umgang mit Cyberbedrohungen

IT-Sicherheitskonzepte und Notfallpläne funktionieren nur, wenn sie im Unternehmen auch gelebt werden. Schulen Sie deshalb alle Ihre Mitarbeitenden regelmäßig im sicheren Umgang mit Cybergefahren und Sicherheitsvorfällen.

Konkrete Inhalte:

  • Die Verwendung von sicheren Passwörtern
  • Das Erkennen von Phishing-Versuchen
  • Die Einhaltung von Zugangsbeschränkungen
  • Das regelmäßige Erstellen eines Backups (falls manuell notwendig)
  • Der Verzicht auf die Nutzung öffentlicher Hotspots oder USB-Sticks
  • Die IT-Sicherheit im Home-Office
  • Das richtige Melden von Sicherheitsvorfällen

9. Bauen Sie eine cybersichere Lieferkette auf

Heutzutage müssen Cyberangriffe nicht mehr direkt an Sie gerichtet sein, um schweren Schaden zu verursachen. Auch ein gezielter Angriff auf Ihre Lieferkette kann zu Betriebsunterbrechungen führen. Zudem können Ihre Verbindungen zu Lieferant:innen Einfallstore für Cyberkriminelle sein.

Darauf sollten Sie achten:

  • Halten Ihre Partnerunternehmen ebenfalls hohe Sicherheitsstandards ein?
  • Gibt es technische Schnittstellen, die besonders geschützt werden müssen?
  • Welche Zugriffs- und Zugangsrechte benötigen Lieferant:innen wirklich für einen reibungslosen Ablauf (Stichwort: Zero Trust)?
  • Kommunizieren Sie mit Liefer- und Partnerunternehmen nur über sichere, verschlüsselte Kanäle.

10. Führen Sie regelmäßig Audits und Sicherheitsüberprüfungen durch

Die Welt der IT-Sicherheit ändert sich ständig. Führen Sie daher mindestens einmal jährlich oder nach größeren Veränderungen (neue Systeme etc.) Sicherheitsüberprüfungen durch, um Risiken und Sicherheitslücken zu erkennen, bevor diese zu einem Problem werden.

Relevante Tools und Werkzeuge:

  • Ein professioneller Schwachstellenscan, um Vulnerabilities und andere Schwachstellen zu erkennen.
  • Ein Sicherheitsaudit oder ein Penetrationstest bei einem externen Dienstleister
  • Ein CyberRisikoCheck vom BSI
  • Ein CYBERsicher Check von der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand

Orientierung im Standard-Dschungel: NIST CSF und ISO 27001 als Leitplanken

Damit Unternehmen bei den großen Aufgaben Cybersecurity und Cyberresilienz nicht auf sich allein gestellt sind und auch die Sicherheit potenzieller Lieferant:innen besser einschätzen können, gibt es verschiedene anerkannte Standards. Das US-amerikanische NIST Framework bietet Unternehmen eine systematische Struktur, mit der sie unter anderem Risiken identifizieren, geeignete Schutzmaßnahmen definieren und ihren Geschäftsbetrieb schnell wiederherstellen können. Die ISO 27001 ist dagegen ein zertifizierbarer Standard, an dem sich Unternehmen auch orientieren können, ohne direkt eine Zertifizierung anzustreben. Während das NIST Framework eher den Fokus auf Risikomanagement legt, steht bei der ISO 27001 die Einführung eines Managementsystems im Vordergrund. Beide Standards lassen sich parallel nutzen, um eine Cyberresilienz-Strategie zu entwickeln und umzusetzen. Sie zeigen Lücken auf (Gap-Analyse), unterstützen bei der Priorisierung von Systemen und Maßnahmen und ermöglichen ein Reifegrad-Assessment.

Cyberresilienz in der Praxis: So kann es aussehen

Cyberresilienz hat in der Praxis viele Fassetten und kann beispielsweise so aussehen:

Firma A konnte einen Phishing-Angriff abwehren, weil die Mitarbeitenden gut geschult sind und die Phishing-E-Mail direkt als solche erkannt haben.

Firma B hat bei einem Ransomware-Angriff keine Daten verloren, da ein Backup in einem externen Rechenzentrum genutzt werden konnte, während die andere Datenversion von den Cyberkriminellen verschlüsselt wurde.

Firma C ist jetzt immer erreichbar, weil dank einer redundanten Glasfaserdirektanbindung das Internet nicht mehr ständig ausfällt.

Firma D konnte mithilfe eines professionellen Schwachstellenscans 30 potenzielle Einfallstore für Cyberkriminelle finden und schließen.

Firma E wurde von Hackern angegriffen, konnte dank ihres SOC (Security Operations Center) den Angriff jedoch schnell erkennen, das betroffene System vom Rest isolieren und war bereits nach zwei Stunden wieder vollständig geschäftsfähig.

Governance und Rollen: Wer trägt die Verantwortung für Cyberresilienz?

Cyberresilienz ist keine rein technische Herausforderung, sondern eine unternehmensweite Führungsaufgabe. Damit Ihr Unternehmen Cyberangriffe abwehren und sich im Ernstfall schnell wieder erholen kann, müssen verschiedene Rollen eng zusammenarbeiten:

Geschäftsführung: Die Geschäftsführung trägt die Gesamtverantwortung für die Cyberresilienz. Sie muss Risikobereitschaft, Aufgaben und Rollen definieren, Budgets und Ressourcen bereitstellen, Notfall- und Krisenpläne freigeben und im Ernstfall strategische Entscheidungen treffen. Ohne aktive Unterstützung der Geschäftsführung bleiben Sicherheitsinitiativen häufig nur Stückwerk (Management-Buy-in).

CISO (Chief Information Security Officer) oder CSO (Chief Security Officer): CISOs und CSOs (oder auch CIOs) verantworten die Informationssicherheit auf strategischer und koordinierender Ebene. Sie entwickeln Cybersecurity- und Resilienzstrategien, führen Risikoanalysen durch, definieren Richtlinien und Standards, steuern Maßnahmen, überwachen Compliance-Anforderungen und koordinieren Incident-Response- und Verbesserungsmaßnahmen. Sie übersetzen die Anforderungen der Geschäftsführung in konkrete Sicherheits- und Resilienzmaßnahmen.

IT-Leitung: Die IT-Leitung setzt technische und organisatorische Maßnahmen operativ um. Dazu gehören unter anderem der Betrieb und die Absicherung der IT-Infrastruktur, die Erstellung und Umsetzung von Backup- und Recovery-Konzepten, das Patch- und Schwachstellenmanagement, die Netzwerksegmentierung, das Management von Zugriffs- und Zugangsrechten sowie die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern. Die IT-Leitung stellt somit sicher, dass alle Systeme robust, überwachbar und wiederherstellbar sind. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen sind die Rollen der IT-Leitung und des CISOs oft in einer Person vereint.

Incident-Response-Team: Das Incident-Response-Team reagiert aktiv auf konkrete Sicherheitsvorfälle. Es muss den Vorfall schnellstmöglich analysieren, betroffene Systeme isolieren, den Schaden begrenzen, die Ursachen untersuchen, die Systeme wiederherstellen und den Vorfall dokumentieren, um die Schutzmaßnahmen zu verbessern. Neben den IT-Spezialist:innen gehören auch Mitarbeitende aus den Bereichen Datenschutz, Kommunikation sowie Ihre Rechtsabteilung zu dem Team.

Bedeutung von Management-Buy-in und Risikomanagementkultur für die Cyberresilienz


  • Management-Buy-in: Bedeutet, dass die Unternehmensleitung Cyberresilienz aktiv unterstützt. Oft scheitern Sicherheitsmaßnahmen nicht an der Technik, sondern an fehlender Rückendeckung.

    Das Management sollte daher:
    - das Thema priorisieren
    - Budget bereitstellen
    - sichtbar unterstützen
    - Cyberresilienz in die Unternehmensziele integrieren und nachverfolgen

  • Risikomanagementkultur: Sorgt dafür, dass Risiken offen angesprochen und systematisch bewertet werden. Das führt zu schnelleren Entscheidungen, einer besseren Priorisierung und einem höheren Sicherheitsbewusstsein im gesamten Unternehmen.

    Eine Risikomanagementkultur sollte Folgendes umfassen:
    - Risiken werden transparent kommuniziert.
    - Entscheidungen basieren auf Risikoabwägungen.
    - Fehler und Vorfälle werden analysiert.
    - Sicherheitsverantwortung wird von allen Mitarbeitenden getragen.

FAQ
Der erste Schritt sollte eine strukturierte Bestandsaufnahme sein. Welche Ihrer Systeme, Daten und Geschäftsprozesse sind kritisch? Auf dieser Basis können Sie Ihre Risiken bewerten und Maßnahmen priorisieren.
Wir empfehlen, Notfallpläne mindestens einmal jährlich und bei wesentlichen Veränderungen der IT-Landschaft zu testen. Zusätzlich können Tests nach Sicherheitsvorfällen oder bei neuen regulatorischen Anforderungen sinnvoll sein.
Eine sehr große. Mitarbeitende sind eines der beliebtesten Angriffsziele, zum Beispiel mittels Phishing-Attacken. Regelmäßige Schulungen helfen dabei, dass solche Risiken öfter erkannt werden und Mitarbeitende richtig auf Sicherheitsvorfälle reagieren.
Einige Clouddienste können Ihre Resilienz erhöhen, beispielsweise durch integrierte Redundanz sowie Backup- und Sicherheitsfunktionen. Dabei ist entscheidend, dass die Verantwortlichkeiten und Aufgaben klar geregelt sind.
Nein. Backups sind zwar ein zentraler Baustein, doch umfasst Cyberresilienz auch die Themen Prävention, Überwachung, Incident Response, Krisenmanagement und getestete Wiederherstellungsprozesse.
Das hängt stark von der Größe, der Komplexität und der Ausgangslage Ihres Unternehmens ab. Erste Verbesserungen sind oft innerhalb weniger Wochen möglich, aber Cyberresilienz ist ein kontinuierlicher Prozess und kein einmaliges Projekt.
Die Kosten variieren stark, je nachdem wie hoch Ihr Schutzbedarf ist und welche Infrastruktur Sie bereits haben. Entscheidend ist dabei, dass Sie nicht nur die Investition betrachten, sondern diese mit den potenziellen Kosten eines erfolgreichen Cyberangriffs vergleichen.

Die wichtigsten Kennzahlen sind unter anderem:

- Mean Time to Detect (MTTD): Wie viel Zeit benötigen Sie, um einen Angriff zu erkennen?
- Mean Time to Response (MTTR): Wie viel Zeit benötigen Sie, um auf einen Angriff zu reagieren?
- Erfolgsquote bei Backup-Tests
- Ergebnisse von Notfallübungen
- Anteil geschulter Mitarbeitende

Managed Security Service Provider (MSSP) können Unternehmen unter anderem mit Monitoring, Incident Response, Schwachstellenmanagement und strategischer Beratung unterstützen. In Zeiten des Fachkräftemangels sind sie eine schnelle und kostengünstige Lösung, wenn interne Ressourcen und Know-how fehlen
Bewährte Rahmenwerke sind das amerikanische NIST Cybersecurity Framework, die ISO 27001, der IT-Basisschutz des BSI sowie die regulatorischen Vorgaben von NIS2, DSGVO oder DORA.
Die Gesamtverantwortung liegt bei der Geschäftsführung. IT-Leitung, CISO und Fachbereiche tragen jeweils operative und strategische Teilverantwortung.
Nein. Sie können niemanden davon abhalten, sie anzugreifen. Das Ziel ist deshalb nicht die absolute Sicherheit, sondern die Fähigkeit, Angriffe frühzeitig zu erkennen, Schäden zu begrenzen und den Geschäftsbetrieb nicht zu unterbrechen oder ihn schnell wiederherzustellen.

Fazit: Stärken Sie jetzt Ihre digitale Widerstandsfähigkeit und bleiben Sie handlungsfähig

Cyberresilienz ist nicht nur ein Schlagwort, nicht nur ein Nice-to-have, nicht nur eine kleine Aufgabe des IT-Teams. Sie kann über den Erfolg Ihres gesamten Unternehmens entscheiden. Sie erfordert deshalb einen strategischen Ansatz, klare Prozesse, definierte KPIs und die Bereitschaft, kontinuierlich daran zu arbeiten. Die Frage ist nicht ob, sondern wann Sie Opfer eines Cyberangriffs werden. Und dann entscheidet es sich: Wie schnell können Sie den Angriff erkennen und abwehren? Können Sie einen Betriebsausfall oder Datenverlust verhindern? Wann sind Sie wieder vollständig geschäftsfähig? Bereits einfache Maßnahmen wie eine strukturierte Risikobewertung, eine Backup-Strategie und regelmäßige Mitarbeiterschulungen können Ihre Cyberresilienz deutlich erhöhen und den entstehenden Schaden begrenzen. Setzen Sie außerdem auf externe Dienstleister und Managed-Service-Anbieter, die Sie mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how effektiv beim Schutz Ihres Unternehmens unterstützen. Lassen Sie sich jetzt von uns kostenlos dazu beraten!

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