Quartiere nachhaltig bauen
EWE business Magazin

Wie geht nachhaltige Quartiersentwicklung der Zukunft?

Experte Claas Marquardt im Interview

EWE business Magazin / Wohnungswirtschaft / Interview Claas Marquardt
Wohnungswirtschaft
Energiewende
Quartiere
Klimaneutralität
18.08.2021  7 Min.
Autor: Clarissa Twenhoefel

Wie Kommunen mit nachhaltiger Quartiersentwicklung die Energiewende vorantreiben können

Experteninterview mit Claas Marquardt, Key Account Manager Wohnungswirtschaft bei EWE Vertrieb

Claas Marquardt
Bild: Bilderwerk
Wie müssen Städte und Gemeinden Baugebiete ausschreiben, damit ein modernes, nachhaltiges Quartier entsteht? Wie lässt sich Klimaschutz schon von vornherein in der Quartiersplanung mitdenken? Der Experte für Infrastrukturlösungen Claas Marquardt zeigt Wege auf, mit denen Kommunen ein stabiles Fundament für zukunftsfähige Quartiere legen können.

 

Aspekte der Energiewende wie ein geringerer Energieverbrauch und ein niedrigerer CO2-Ausstoß bei der Erzeugung von Wärme, Strom und auch Kälte wurden lange Zeit vor allem mit Blick auf Einzelgebäude betrachtet. Inzwischen rückt jedoch in puncto Nachhaltigkeit zunehmend die Quartiersebene in den Fokus. Denn durch eine quartiersübergreifende, gemeinschaftlich genutzte Energieerzeugung lassen sich besonders klimafreundliche Lösungen umsetzen, die zudem auch noch ökonomische Vorteile bieten. Die Grundlage für solch ganzheitliche, zukunftsorientierte Quartierslösungen legen die Städte und Gemeinden mit ihren Ausschreibungen und ihrer Bauplanung.

 

Wie lässt sich Klimaschutz nun schon von vornherein in der Quartiersplanung mitdenken, damit sowohl in Neubausiedlungen als auch bei Altbausanierungen lebenswerte, moderne Quartiere entstehen können? Im Gespräch zeigt Claas Marquardt, Key Account Manager Wohnungswirtschaft bei EWE, was Kommunen bei der Gestaltung neuer Quartiere beachten müssen, welche Strategien sich anbieten und wie sie Zeit und Geld sparen können – durch ein gut koordiniertes Projektmanagement, das mehrere Leistungen aus einer Hand anbietet.

 

Herr Marquardt, vor welchen Herausforderungen stehen Kommunen heute bei der Entwicklung moderner und nachhaltiger Quartiere?

Marquardt: Für Kommunen spielen heute ökologische Komponenten eine zunehmende Rolle. Parameter wie Primärenergiefaktor, CO2-Vermeidung oder der grüne Fußabdruck sind dabei wichtig, denn sie tragen nicht zuletzt zur Attraktivität eines Quartiers und damit auch einer Kommune bei. Berücksichtigt werden müssen bei allen Klimaschutzideen und nachhaltigem Engagement aber auch wirtschaftliche Gesichtspunkte. Und hier kommen Partner wie EWE mit ihrem Know-how ins Spiel. Sie können Kommunen frühzeitig beraten, damit ökologische und ökonomische Rahmenbedingungen bereits bei der Bebauungsplanung und schließlich auch bei der Ausschreibung mitgedacht werden und die Bauträger in einem entsprechend passenden Rahmen bauen können. Sind die Rahmenbedingungen durchdacht festgelegt, muss der Bau eines Quartiers im Übrigen auch nicht komplett an einen Bauträger übergeben werden, sondern kann auch von mehreren Unternehmen bzw. Bauherren ausgeführt werden.

 

Welche Aspekte sollten Kommunen bei ihrer Ausschreibung konkret berücksichtigen? Und wie lassen sich diese mit einem Partner wie EWE wirtschaftlich umsetzen?

Marquardt: Bei Quartiersentwicklungen sind ganzheitliche Lösungen gefragt. Es geht um den Bau von Energie- und Telekommunikationsnetzen, um klimafreundliche Erzeugungsanlagen, geringe Primärenergiefaktoren oder Mobilitätslösungen. Herausfordernd daran ist vor allem die Koordination und die enge Verzahnung der einzelnen Bestandteile. Um weniger Akteure koordinieren zu müssen, kommen verzahnte Elemente der Quartiersentwicklung daher am besten aus einer Hand. Wir von EWE bieten eine Kombination aller Lösungsbausteine aus dem Infrastrukturbereich. Die Vorteile sind klar: Egal ob Energieversorgung oder Telekommunikationslösungen – wenn alles zusammen geplant und umgesetzt wird, können auch alle Abstimmungen verdichtet werden. So haben zum Beispiel Energieversorgung und Telekommunikationslösungen die gleichen Tiefbauvoraussetzungen. Alles aus einer Hand macht das Projekt also in der Umsetzung einfacher und effektiver. Das beschleunigt den Bauprozess und spart Geld.

 

Zu welchem Zeitpunkt sollten Kommunen Projektpartner für vernetzte Lösungen in ein Quartiersprojekt einbeziehen?

Marquardt: Je eher der Infrastrukturdienstleister und der Projektentwickler in die Quartiersplanung eingebunden werden, umso besser ist die gemeinsame Gestaltung des gesamten Quartiers nach allen Gesichtspunkten: von der Ökologie bis zur Häuserstruktur und der vielfältigen Zusammensetzung der Bewohner. Denn bereits bevor ein Quartier von einem Projektentwickler geplant werden kann, legt die Kommune die Rahmenbedingungen fest. Dazu gehört allem voran eine Standortanalyse für die Attraktivität des Quartiers. Die Verfügbarkeit von Flächen spielt dabei die gleiche wichtige Rolle wie beispielsweise Arbeitgeber in der Nähe zu haben oder eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Bei der Bebauungsplanung sind Aspekte entscheidend wie die maximal gewünschte Geschosshöhe oder die Integration von kommunalen und sozialen Einrichtungen wie Schulen oder Seniorenresidenzen. Steht der Rahmen, geht es ins Detail: Was soll das Quartier beinhalten? Soll eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten oder ein reines Wohnquartier entstehen? Auf Grundlage dieser Fakten kann die nötige Infrastruktur wie Straßenbeleuchtung, Energie- und Telekommunikationsversorgung und Mobilitätslösungen durchdacht werden. Für uns ist daher ein frühzeitiger Austausch mit der Kommune, die in der Regel bereits eine Grobplanung hat, essenziell, um attraktive und individuell angepasste Gesamtkonzepte für die Infrastruktur zu erstellen. Generell ist es übrigens so, dass eine frühzeitige Einbindung aller Akteure – von den Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften über die Post-, Krankenkassen- und Kreditanbieter sowie Ärzte und medizinische Versorger bis hin zu Anbietern von Wasser, Abwasser, Strom, Wärme, Erdgas, Glasfaser und Internet – ungemein befruchtet und eine gute Basis für eine nachhaltige Stadtentwicklung bildet.

 

Was unterscheidet EWE von anderen Wärme- und Energieversorgern bzw. -dienstleistern?

Marquardt: Bei uns steht das optimale Lösungspaket für den Kunden, das am besten zu ihm passt, im Fokus. Neben der Erneuerung der Wärmeanlage könnte es beispielsweise sein, dass der Kunde weitere Lösungen wie eine intelligente Haussteuerung, eine Photovoltaikanlage mit oder ohne Speicher oder auch Ladesäulen für Elektroautos haben möchte. Diesen „bunten Blumenstrauß“ können wir bieten und mit den verschiedenen Tochterunternehmen aus dem EWE-Konzern zusammenstellen. Quasi ein maßgeschneidertes Gesamtkonzept aus einer Hand. Bei einem Quartiersneubau liefert EWE die infrastrukturellen Voraussetzungen, also die Randbedingungen für smarte Lösungen für Wohnen, Arbeiten und Mobilität, und zwar in dem Rahmen, den die Kommune und der Projektentwickler setzen. Kurz: Wir entwickeln, realisieren und betreiben die Infrastruktur für das Quartier der Zukunft.

 

Hinzu kommt, dass wir auf fast 30 Jahre Projekterfahrung im Bereich Contracting für Wärmeanlagen bauen können. Wir haben die notwendige Manpower, Kompetenz und Erfahrung, um auch komplexe, individuelle Anforderungen optimal zu lösen. Bis heute haben wir mehr als 1.000 Megawatt thermische Leistung installiert, von Kleinstanlagen in Einfamilienhäusern bis zu Großanlagen mit mehreren Megawatt installierter Leistung. Das macht uns im Nordwesten Deutschlands und in Brandenburg zum Dienstleister Nr. 1. Deutschlandweit gehören wir zu den Top 3. Und dabei verlieren wir nicht unseren starken regionalen Fokus, da wir mit dem Handwerk in vielen regional verbundenen Netzwerken sehr eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten.

 

Wo wird die Reise hingehen, wenn wir an die Energieversorgung in einem Quartier im Jahr 2050 denken? Wie kann der Weg dahin gelingen?

Marquardt: Die Reise in der Quartiersentwicklung geht ganz klar in Richtung Klimaneutralität. Beispielsweise werden kalte Nahwärmenetze mit Photovoltaik oder Erdwärmesonden immer häufiger nachgefragt. Ohne den Einsatz von fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Heizöl, aber auch ohne regenerative Brennstoffe wie Holzpellets wird es damit in einem Quartier warm. Allerdings liegen solche nachhaltigen Projekte eher im öffentlichen, kommunalen Interesse, denn Bauträgern und Privatinvestoren sind die Kosten dafür oft zu hoch – eine komplett klimaneutrale Energieversorgung ist eben häufig noch nicht wirtschaftlich. EWE setzt daher aktuell auf Blockheizkraftwerke mit gekoppelter Strom- und Wärmeversorgung. Dabei verstehen wir die Kraft-Wärme-Kopplung als eine energieeffiziente Übergangslösung auf dem Weg zur Klimaneutralität. Zudem kann die KWK-Technik angepasst werden, sodass künftig auch grüne Gase für deren Betrieb zum Einsatz kommen könnten. In der Zukunft werden jedoch auch komplett nachhaltige Konzepte, etwa durch die CO2-Besteuerung, immer wirtschaftlicher. Politische Rahmenbedingungen spielen für deren Ausbau die entscheidende Rolle. Für den Generationenvertrag müssen wir an diesem Hebel unbedingt ansetzen. Wir sind es den nachfolgenden Generationen schuldig.

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