War die Rechnung echt?

Schützen Sie sich vor Phishing und Betrugsversuchen

Person tippt auf Laptop-Tastatur und hält Smartphone, davor schwebende Symbole von Briefumschlägen und ein gelbes Warnzeichen

Letzte Aktualisierung:

04.09.2026

5 Minuten

„Chef – war die Rechnung wirklich von Ihnen?“

So erkennen Sie Phishing und Betrugsversuche

Eine Rechnung trifft bei Ihnen ein. Sie stammt scheinbar von Ihrem üblichen Lieferanten, und die geforderte Summe entspricht Ihren typischen Bestellungen. Alles sieht aus wie immer und geht seinen üblichen Weg. Weil alles ganz normal erscheint, überfliegen auch Ihre Mitarbeitenden die Rechnung nur und bezahlen sie.

Einige Wochen später stellen Sie jedoch fest, dass Sie mehr Rechnungen bezahlt haben, als Sie Ware erhalten haben.

Nach einer aufwendigen Rekonstruktion stellen Sie fest, dass Sie eine gefälschte Rechnung bezahlt haben. Cyberkriminelle hatten dafür Ihre Daten gestohlen. Ob sich die Zahlung noch zurückholen lässt, ist fraglich.

Solche Fälle begegnen uns im Security- und Infrastrukturbetrieb beinahe täglich.

Wie gelangen Cyberkriminelle an Ihre Daten?

Oft über Phishing. Dabei werden wichtige Unternehmens- oder Zugangsdaten zum Beispiel über gefälschte Nachrichten, Login-Seiten, Anrufe oder Social-Media-Profile gestohlen. In dem oben  beschriebenen Szenario könnten Cyberkriminellen die Rechnungsdaten über eine gefälschte E-Mail erhalten haben, die ungefähr lautete: „Kannst Du mir bitte die letzte Rechnung von Lieferant XY schicken?“ Das wirkt harmlos, hat aber weitreichende Folgen.

Es ist auch möglich, dass die Informationen beispielsweise über ein öffentliches WLAN abgefangen wurden oder dass Cyberkriminelle sich bereits Zugang zu einem E-Mail-Konto verschafft haben und dort über längere Zeit Ihre Geschäftskommunikation mitlesen konnten. Solche kleineren Datenabflüsse werden oft nicht bemerkt. Auch kleine und mittlere Unternehmen verarbeiten wertvolle Geschäfts-, Kunden- und Zugangsdaten. Gleichzeitig können nur wenige Firmen ein eigenes Security-Team vorhalten, das ihre Systeme auch nachts und am Wochenende überwacht.

Laut dem Branchenverband bitkom ist Datendiebstahl der häufigste Angriffstyp auf deutsche Unternehmen. Betroffene Firmen melden, dass vor allem E-Mails mit Geschäftsinformationen sowie Kundendaten entwendet werden. Das bedeutet für das beschriebene Szenario, dass der Datendiebstahl, der zur gefälschten Rechnung führte, nicht unbedingt bei Ihnen stattgefunden haben muss. Auch Ihr Lieferant könnte erfolgreich angegriffen worden sein.

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Warum fälschen Cyberkriminelle Rechnungen?

Sie fragen sich vielleicht, warum Cyberkriminelle diesen Aufwand betreiben, um eine einzelne Rechnung im Wert von ein paar hundert Euro zu fälschen. Die Antwort ist unserer Erfahrung nach einfach: Das tun sie nicht. Auch Cyberkriminelle nutzen künstliche Intelligenz. KI ermöglicht es ihnen, täuschend echte Nachrichten, Dokumente oder sogar Stimmen deutlich besser, schneller und in größerem Umfang zu erzeugen.

Neben Rechnungen werden häufig dringende Zahlungserinnerungen gefälscht. Viele Menschen überweisen aus Angst vor weiteren Konsequenzen oder Reputationsverlusten die geforderte Summe. Weitere lukrative Varianten sind Deepfakes oder sogenannter CEO-Fraud. Dabei werden Nachrichten oder Anrufe so stark personalisiert, dass sie kaum von echten Mitteilungen der Geschäftsführung zu unterschieden sind. Wer würde schon zögern, wenn der Chef persönlich um eine dringende Überweisung bittet?

Wie können Sie Betrugsversuche erkennen?

Phishing und Betrugsversuche werden immer professioneller. Es sind nicht mehr Nachrichten von ausländischen Prinzen, angeblich verschollenen Verwandten oder „Spitzenprodukten zu Superpreisen“. Mithilfe von KI können Cyberkriminelle massenhaft täuschend echte Nachrichten und Webseiten generieren. Im Security-Betrieb zeigt sich deshalb immer wieder, dass Rechtschreibfehler längst kein verlässliches Warnsignal mehr sind. Entscheidend sind heutzutage andere Auffälligkeiten.

Bei E-Mails
Technische Schutzmaßnahmen können verdächtige Nachrichten erkennen, bevor sie Ihr Postfach erreichen. Das allein reicht jedoch nicht, deshalb müssen Sie und Ihre Mitarbeitenden wissen, wann Sie nachfragen sollten. Achten Sie genau auf die Mailadresse des Absenders. Weicht diese von der üblichen Adresse ab, kann es sich um einen Betrugsversuch handeln. Verdächtig sind auch kleine Unstimmigkeiten oder Veränderungen im Abbinder, in den Schreibweisen oder den verwendeten Schriftarten. Wurde jedoch ein echtes E-Mail-Konto von Cyberkriminellen übernommen, muss es keine sichtbaren Auffälligkeiten geben. 

Bei Rechnungen
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich die Rechnungsadresse oder die Kontoverbindung ändern. Lassen Sie sich dies unbedingt über einen zweiten, unabhängigen Kommunikationsweg bestätigen. Achten Sie zudem darauf, ob Ihre Kundennummer korrekt ist und ob die Rechnungsnummer plausibel erscheint. Idealerweise setzen Sie bereits E-Rechnungen ein, die leichter zu überprüfen sind. Bei Papierrechnungen sollten Sie außerdem die Druck- und Papierqualität im Blick behalten.

Am Telefon
Mit Deepfakes können Stimmen am Telefon täuschend echt imitiert werden. Sie sollten daher keine Zahlungsaufträge telefonisch entgegennehmen und Passwörter oder Sicherheitsphrasen etablieren, bevor Sie dringende oder vertrauliche Informationen weitergeben.

Bei Login-Seiten
Die Fälschung von Login-Seiten ist eine beliebte Methode, um Zugangsdaten zu stehlen. Überprüfen Sie daher immer die komplette URL einer Webseite, bevor Sie Ihre Login-Daten eingeben. Achten Sie auf Veränderungen oder Unstimmigkeiten im Aussehen oder im Abbinder der Seite. Gibt es ein Impressum? Rufen Sie Login-Seiten möglichst über eine gespeicherte Adresse oder ein Lesezeichen auf und nicht über Links in einer Nachricht. Sie können auch den Namen der Firma plus „Login“ bei einer Suchmaschine eingeben und schauen, ob Sie auf derselben Seite landen. Beachten Sie dabei nur, dass Cyberkriminelle auch gezielt gefälschte Seiten in Suchergebnissen platzieren können (SEO-Poisoning).

Vier-Augen-Prinzip
Setzen Sie insbesondere bei Änderungen von Kontoverbindungen und ungewöhnlichen Zahlungsaufträgen auf ein verbindliches Vier-Augen-Prinzip. Bleiben Sie wachsam, hinterfragen Sie jede Unstimmigkeit und rückversichern Sie sich bei Ihren Partnerunternehmen lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Lupe mit rotem Ausrufezeichen-Symbol liegt auf schwarzer Computertastatur

Fazit: Regelmäßige Schulungen und ein starkes Sicherheitsbewusstsein schützen am besten

Um Ihr Unternehmen erfolgreich vor Phishing-Angriffen und Betrugsversuchen zu schützen, müssen Sie alle Ihre Mitarbeitenden einbeziehen. Phishing gehört für Unternehmen mittlerweile zum digitalen Alltag. Entscheidend ist deshalb, dass Ihre Mitarbeitenden verdächtige Nachrichten erkennen und wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Üben Sie anhand realer Beispiele den Umgang mit Phishing und Betrugsversuchen und besprechen Sie Sicherheitsvorfälle transparent. Setzen Sie mindestens auf ein 4-Augen-Prinzip und achten Sie auf kleinste Unstimmigkeiten. Moderne technische IT-Sicherheitsmaßnahmen reduzieren zwar Ihr Risiko erheblich, können aber nicht jede Täuschung verhindern. Geschulte und aufmerksame Mitarbeitende sind daher ein wichtiger Teil jeder Sicherheitsstrategie. 

Sie sind sich nicht sicher, wie Ihre Mitarbeitenden auf eine Phishing-Nachricht reagieren würden? Mit unserem Phishing-Check können Sie genau das in einer gesicherten Umgebung testen: https://business.ewe.de/it-security/awareness-prevention/phishing-check

FAQs: Typische Fragen zu den Themen Phishing, gefälschte Rechnungen und Betrugsversuche

Weiterführende Links

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