BHKW für ein Nahwärmenetz im Heizungskeller
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Wärme-Contracting für den Klimaschutz

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16.08.2021  10 Min.
Autor: Clarissa Twenhoefel

Wie man mit Wärme-Contracting CO2-Emissionen senken kann

Wärme, Kälte und Strom fürs Quartier – mit Contracting zu mehr Klimaschutz

Beim Wärme-Contracting plant, finanziert und betreibt ein Anbieter die Modernisierung oder Neuerrichtung der Energietechnik, in der Wärme, oder auch Strom und manchmal Kälte erzeugt werden. Eine Energielösung, die gerade für Quartiere und größere Wohnbauten immer attraktiver wird, weil sie bequem und kostengünstig zu einer besseren CO2-Bilanz führt.

 

Weltweit entfallen knapp 40 Prozent der energiebezogenen CO2-Emissionen auf den Bau und den Betrieb von Gebäuden, wie der „Global status report for buildings and construction“ der Vereinten Nationen von 2020 dokumentiert. Denn global gesehen verursachen Gebäude mehr als ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs. Auch in Deutschland ist das so: Laut Deutscher Energie-Agentur (dena) gehen etwa 35 Prozent des bundesweiten Energieverbrauchs auf das Konto von Bauwerken, und das überwiegend auf das von Wohnhäusern. Insgesamt verursachen Wohnbauten 63 Prozent des gesamten Energieverbrauchs von Gebäuden. Nur 37 Prozent entfallen auf Nichtwohngebäude.

 

Gebäude wichtig für das Gelingen der Energiewende

Die Zahlen zeigen: Der Baubereich bietet viel Potenzial, um Energie und CO2 einzusparen und damit den Klimaschutz voranzutreiben. Sie verdeutlichen aber auch, dass gerade im Gebäudesektor hoher Handlungsbedarf in Sachen Energiewende besteht. Noch gibt es hierzulande viel zu viele Bestandsgebäude, die mehr Energie verbrauchen als Neubauten und dabei auch mehr an klimaschädlichen CO2-Emissionen verursachen – durch die Erzeugung von Heizwärme, warmem Wasser und manchmal auch Kälte. Dafür verantwortlich sind schlecht gedämmte Gebäudehüllen und eine veraltete Anlagentechnik, die mit fossilen Brennstoffen arbeitet, insbesondere bei den Wohngebäuden, die vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1979 errichtet wurden. Und das sind nach dena-Angaben immerhin rund 63 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland.

 

Die Zeit drängt, der Druck zu mehr Klimaschutz steigt

Gerade bei nicht und nur unzureichend energetisch sanierten Altbauten gilt es anzusetzen, damit die von der Bundesregierung angestrebte Klimaneutralität des Gebäudebestands bis 2045 erreicht werden kann. Dazu muss der Heizwärmebedarf in diesen Gebäuden deutlich vermindert werden, sodass er überhaupt durch erneuerbare Energien CO2-neutral gedeckt werden kann. Zwar ist in Sachen CO2-Senkung schon viel passiert: So wurde laut Bundeswirtschaftsministerium seit 1990 bereits eine CO2-Minderung von über 40 Prozent im Gebäudesektor geschafft. Aber bis 2030 müssen gegenüber heute noch einmal 40 Prozent CO2-Emissionen eingespart werden, will man die Klimaziele erreichen. Die gleiche Menge in einem Drittel der Zeit! Dadurch steigt der Sanierungsdruck auf Eigentümer von Immobilien mit veralteter Energieversorgung und Haustechnik kontinuierlich.

 

Bild: ivansmuk/iStock/Getty Images Plus

 

Auch Neubauten müssen für die Energie-Zukunft gerüstet werden

Für Wohn-Neubauten gelten schon jetzt hohe Energieanforderungen, die eine effiziente und klimaschonende Heizung und nachhaltige Energieversorgung voraussetzen. Experten gehen aber davon aus, dass der Gesetzgeber auch die Energiestandards für Neubauten in naher Zukunft verschärfen wird. Davon abgesehen ist es für eine größere Wohnanlage oder auch ein neues Stadt- oder Gemeindequartier ohnehin immens wichtig, dass es in Sachen Energie für die Zukunft gerüstet ist. Schließlich steigert ein kleiner CO2-Fußabdruck auch die Attraktivität der Anlage bzw. des Quartiers für die Bewohner, nicht zuletzt, weil er einen niedrigen Energieverbrauch und damit niedrige Energiekosten verspricht.

 

Wärme-Contracting: eine clevere und nachhaltige Wärmeversorgung im Quartier

Doch wie können die Wohnungswirtschaft, private Immobilienbesitzer und Bauherren nun den CO2-Ausstoß ihrer Gebäude kostensparend auf das gebotene Mindestmaß reduzieren? Gerade für Mehrfamilienhäuser und Quartiere bietet sich hierfür das Modell des Wärme-Contractings an – eine Lösung, die in der Quartiersplanung Zeit spart, dem Investor Geld spart und im Betrieb nachhaltig die CO2-Emissionsbilanz senkt. Was ist Wärme-Contracting nun? Das Prinzip: Ein Dienstleister wie EWE plant, finanziert und erstellt nach eingehender Analyse ein optimal auf die Gegebenheiten der Immobilie bzw. des Quartiers zugeschnittene Energieversorgung beispielsweise mit Nahwärmenetz. Eine zentrale Heizungsanlage versorgt über ein Verteilnetz die angeschlossenen Wohneinheiten. Das ist besonders effizient, weil die einzelnen Häuser im Quartier keine eigenen Heizungen oder Schornsteine mehr benötigen. Neben der Bereitstellung von Wärme für Raumheizung und Warmwasser können in ein solches individuelles Modell auch die Versorgung mit Kälte und Strom eingebunden werden. Nach Fertigstellung der Energieversorgungsanlage betreibt der Energiedienstleister, der sogenannte Contractor, diese dann auch. Die Endkunden schließen mit ihm einen Vertrag und kaufen die fertige Energie aus der zentralen Erzeugungsanlage. Eigentümer der Anlage bleibt der Energiedienstleister. Auch um Überwachung, Wartung, Reparatur, Notdienst und den Schornsteinfeger kümmert sich der Energiedienstleister als Contractor.

 

Mit Wärme-Contracting ganz einfach und nachhaltig CO2-Emissionen senken

Je nach Bedarf und Gegebenheiten vor Ort kommen dabei mit Blick auf eine größtmögliche Energieeffizienz und Klimaschutz verschiedene Technologien zum Einsatz: Blockheizkraftwerke (BHKW), Wärmepumpen, Solarthermie oder auch kalte Nahwärmenetze mit Wärmepumpen. So lassen sich mit Wärme-Contracting bei einem Heizungstausch der Energieverbrauch und damit auch die CO2-Emissionen um bis zu 30 Prozent verringern. Im Neubau passt der Wärme-Contracting-Anbieter die grüne Energie-Gesamtlösung auf die für die Baugenehmigung erforderlichen Primärenergiefaktoren an. Weil sich der Energiedienstleister um alle Absprachen, den Bau und Betrieb der Anlage sowie die Finanzierung und Beantragung von Fördermitteln, Genehmigungen usw. kümmert, können sich Planer und Investor beruhigt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Die Vorteile von Wärme-Contracting für die Quartiersentwicklung

  • Kein Risiko, keine Kapitalbindung: Wärme-Contracting ist nicht nur ein umfangreiches Serviceangebot, sondern auch ein attraktives Finanzierungsmodell für Effizienzmaßnahmen. Da die Anschaffungskosten für die Anlagen zur Wärmeerzeugung beim Contracting wegfallen, stehen die Mittel für andere Investitionen zur Verfügung.
  • Professionelles Know-how: Die Planung und die Installation übernimmt der Contractor mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung, wodurch sich der Contractingnehmer, also der Kunde, um nichts kümmern muss. Die Planung von einzelnen Häusern oder auch neuen Wohnquartieren vereinfacht sich enorm.
  • Komfort: Die Wartung der Anlage übernimmt der Contractor, sodass der Gebäudeeigentümer bzw. Vermieter sich auch in dieser Hinsicht um nichts kümmern muss.
  • Betriebssicherheit: Das Risiko eines Ausfalls der Heizanlage wird minimiert, zum einen, weil modernste Technik zum Einsatz kommt, zum anderen aber insbesondere auch, weil der Contractor für den reibungslosen Betrieb verantwortlich ist. Er überwacht die Anlage rund um die Uhr und ist bei etwaigen Störungen umgehend zur Stelle, um diese zu beheben.
  • Verbesserte CO2-Emissionsbilanz: Durch den Einsatz neuester, umweltfreundlicher Technik ist die Energieeffizienz der im Contracting betriebenen Heizung hoch. Gleichzeitig wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet und die CO2-Bilanz verbessert.
  • Kostengünstiger Betrieb: Oft ist durch die Energieeinsparungen und die Synergieeffekte, die der Contractor zum Beispiel durch den Einkauf größerer Mengen an Energie erzielen kann, auch der Betrieb der Anlage zur Wärmeerzeugung günstiger.
  • Nachhaltig preiswert: Die moderne und effiziente Energietechnik schützt Immobilieneigentümer und Mieter auch vor den absehbaren Preissteigerungen bei Erdgas und Heizöl aufgrund der steigenden CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe.

Wärme-Contracting: Sicherheit und ein grünes Gewissen ohne Investition

Das Wärme-Contracting bietet somit neben einer Verbesserung der CO2-Bilanz eines Wohnquartiers auch großen Komfort und Sicherheit für dessen Betreiber, ohne dass dieser selbst investieren muss. Damit stellt es eine optimale Lösung für die Immobilienwirtschaft dar.

 

KWK als Übergangslösung zur Klimaneutralität

Weil eine komplett klimaneutrale Energieversorgung in vielen Fällen noch nicht wirtschaftlich ist, kommen aktuell in der Quartiersplanung am häufigsten Blockheizkraftwerke (BHKW) für die hocheffiziente Energieerzeugung zum Einsatz. Weil damit Strom und Wärme gleichzeitig und vor Ort ohne große Transportverluste produziert werden, kann die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in BHKWs mit hohen Wirkungsgraden aufwarten. Das Erdgas als Brennstoff, mit dem das BHKW angetrieben wird, wird also sehr effektiv genutzt und das wiederum sorgt für niedrige CO2-Emissionen. Die Technik lässt sich zudem anpassen, sodass in Zukunft auch grüne Gase statt dem fossilen Brennstoff zum Einsatz kommen könnten. Damit ist die KWK-Technik eine Übergangslösung auf dem Weg zur Klimaneutralität – eine Lösung, die die Anforderungen einer ganzheitlichen Energieversorgung erfüllt und die Basis schafft, den zukünftigen Anforderungen der Politik gerecht zu werden.

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