Windräder auf Feldern, im Hintergrund geht die Sonne auf.
EWE business Magazin

Was die EEG-Novelle bedeutet

Die Verantwortung für den Klimaschutz steigt

EWE business Magazin / Grüne Energie / Neues EEG-Gesetz
Energiewende
Stromdirektvermarktung
Digitalisierung
Klimaneutralität
10.09.2021  7 Min.
Autor: Ludwig Kohnen

Steigender Bedarf trifft wegfallende Förderung  

Grüner Strom und über 20 Jahre EEG: Die Verantwortung für Klimaschutz steigt, die Rahmenbedingungen ändern sich

Ein Autorenbeitrag für das EWE-Magazin von Ludwig Kohnen, Geschäftsführer EWE VERTRIEB GmbH 

 

Ludwig Kohnen
Bild: EWE
Klimaschutz geht jeden an, jede Privatperson und jedes Unternehmen kann seinen Beitrag dazu leisten. Insbesondere die Energiebranche als Dreh- und Angelpunkt für die Versorgung der gesamten Wirtschaft trägt für den Klimaschutz eine ganz besondere Verantwortung. Dabei kann es nicht nur darum gehen, in den nächsten Jahren als Unternehmen klimaneutral zu werden: Auf dem Weg in eine CO2-neutrale Zukunft müssen auch die Verbraucher mitgenommen werden. 

 

Am Beispiel EWE zeigt sich, wie Energieunternehmen dieser Verantwortung gerecht werden können. Denn der Nordwesten Deutschlands, in dem EWE wie auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verwurzelt ist, wird aufgrund der Küstennähe in besonderem Maße von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein. Gleichzeitig spielt der Norden aber auch eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Klimawende, weil wir gerade hier schon besonders weit dabei sind, ein zukunftsfähiges Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien zu gestalten. 95 Prozent Grünstrom im Stromnetz sprechen für sich, aber zukünftig wird der Bedarf an elektrischer Energie noch deutlich steigen. Daher gilt es am Ball zu bleiben und weiterhin die richtigen Weichen zu stellen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Inwiefern können Energieunternehmen wie EWE also unternehmerisch sinnvolle und gleichzeitig gesellschaftlich richtungsweisende Entscheidungen zu treffen? Der erste Blick gilt der Nachfrageseite: Grüne Stromprodukte müssen selbstverständlich werden. Konsequenterweise gilt es zweitens das Angebot zu betrachten und auf eine massive Ausweitung der erneuerbaren Erzeugungsanlagen zu setzen. Unter den aktuell geltenden Rahmenbedingungen ist das für Energieunternehmen durchaus eine Herausforderung.  

 

Die Nachfrage bedienen: Grün als Standard

Eine klare Perspektive für die Zukunft muss die Umstellung des Portfolios auf grüne Energieprodukte sein – auch und gerade in der Grundversorgung. EWE geht diesen wichtigen Schritt zum 1. Januar 2022, sodass dann 85 Prozent aller Privat- und Gewerbekunden Grünstrom nutzen. Graustrom wird nur noch auf expliziten Wunsch erhältlich sein – ein Angebot, das zeitlich nur begrenzt bestehen bleibt, bevor ausschließlich grüne Energie verkauft wird, Prinzipiell muss der formulierte Anspruch, grüne Energieprodukte zum Standard werden zu lassen, selbstverständlich auch für Geschäftskunden gelten. Konkrete Meilensteine für deren Weg in Richtung Klimaneutralität zu erarbeiten und sich gemeinsam auf den Weg zu machen, muss dabei zum Rollverständnis eines verantwortlich agierenden Energieunternehmens gehören. Aufgrund des hohen Energiebedarfs in diesem Segment geht EWE in definierten Schritten vor.

 

Am Anfang steht die gemeinsame Zieldefinition: Wird zunächst die kurzfristige Optimierung der Klimabilanz für ein Produkt oder eine Produktlinie in den Vordergrund gerückt? Oder liegt der Fokus von Anfang an darauf, das gesamte Unternehmen in die Klimaneutralität zu führen? Nach der Formulierung der Ziele muss der Ist-Zustand im entsprechenden Bereich analysiert werden. Dazu gehören der CO2-Fußabdruck der Produkte (product carbon footprint) ebenso wie die Emissionen, die insgesamt in den Fertigungs- und Logistikprozessen anfallen (corporate carbon footprint). Die Analyse entlang der Wertschöpfungskette bildet die Grundlage für die Identifizierung der Einsparpotenziale. Im Anschluss entsteht ein Maßnahmenplan, der speziell auf den Kunden zugeschnitten ist. Er enthält in der Regel Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz (Minimierung der Emissionen) ebenso wie den Einsatz erneuerbarer Energien.

 

Ein anderer Aspekt der Nachfrage: Die mobile Zukunft wird keine Verbrennungsmotoren mehr kennen. Auch wenn die verschiedenen Prognosen im Hinblick auf die Radikalität der Entwicklung noch etwas unterschiedlich ausfallen, stimmen sie in der Tendenz doch überein. In den nächsten Jahren werden wir an den Punkt kommen, an dem mehr Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten als solche mit Verbrenner zugelassen werden. Fest steht, dass im Bereich des privaten Verkehrs kein Weg an der Elektromobilität vorbeigeht. Das Netz an Ladesäulen wird täglich dichter, allein EWE betreibt schon heute rund 1.000 öffentliche Ladepunkte im Nordwesten und darüber hinaus.  

 

In den nächsten Monaten werden weitere 1.000 Standorte im ganzen Bundesgebiet hinzukommen – wesentlich dafür ist eine Kooperation mit McDonald’s Deutschland. Im öffentlichen Personennahverkehr, Fern- und Schwerlastverkehr gibt es mit dem Gespann aus grünem Wasserstoff und Brennstoffzelle eine weitere Alternative zum Verbrenner. Mit ihrer hohen Reichweite und der schnellen Betankung schließen entsprechende Fahrzeuge eine Lücke, die von der Elektromobilität nicht komplett abgedeckt werden kann. Wo die Infrastruktur noch fehlt, wird in den kommenden Jahren ein massives Wachstum zu verzeichnen sein – auch EWE engagiert sich in Forschung und Entwicklung rund um alle Stufen im Wertschöpfungsprozess.   

 

Hoher Bedarf wird dezentral gedeckt

Auf allen Ebenen steigt also die Nachfrage nach Energie enorm. In den oben genannten Fällen ist die Sektorkopplung, also die Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität im gesamten Energiesystem, noch gar nicht vollständig betrachtet: Auch für die Wärmeversorgung – Stichwort Power-to-Heat – sind wir zukünftig auf zusätzliche Strommengen angewiesen. Wie kann dieser Bedarf gedeckt werden? Die Antwort lautet bereits seit 20 Jahren: aus vielen Richtungen, quasi von überall. Wir verabschieden uns aktuell bundesweit von zentralen Erzeugungsanlagen auf Basis von Kohle oder Kernkraft. Bis 2035 bzw. 2038 soll nach dem aktuellen Willen der Politik das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen, Ende 2022 die noch aktiven Atomkraftwerke. Stattdessen setzt Deutschland auf viele, vergleichsweise kleine Anlagen. Die Zukunft gehört den Photovoltaik-, Windenergie-, Biogas-, Wasserkraft- oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Wohnquartieren. 

 

Privathaushalte und kleinere Unternehmen können ihren Strombedarf beispielsweise über eine eigene Photovoltaikanlage decken. In Kombination mit einer passender Speicherlösungen oder auch einer Wallbox für Elektromobilität sogar vollständig oder zu großen Teilen. Das neue EEG 2021 ermöglicht hier auch bei größeren Anlagen die Befreiung von der EEG-Umlage bei Eigenverbrauch, sodass diese Variante für immer mehr Anlagenbetreiber attraktiv wird. EWE unterstützt seine Kunden in diesem Bereich seit vielen Jahren. Einen größeren Beitrag kann die Windenergie leisten. Sie hat den höchsten Anteil unter den erneuerbaren Energieträgern zur Stromversorgung, mit weitem Abstand gefolgt von Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft. Auch EWE wird in die Windenergie in den nächsten Jahren massiv investieren und mit mehreren Milliarden Euro den Ausbau an Land finanzieren.   

 

Direktvermarktung als Lösung

Mit der Anforderung die Produktionskapazitäten erneuerbarer Energien massiv auszubauen, steigt die rechtliche Komplexität. Denn viele Anlagen laufen aus der zwanzigjährigen EEG-Förderung und neue Anlagen erhalten teilweise deutlich geringere Förderungen. Die Neufassung des EEG 2021 sollte dieser Situation und den neuen Anforderungen Rechnung tragen, gleichzeitig eine weitere Kostensteigerung durch hohe EEG-Fördersätzen vermieden und so die öffentliche Akzeptanz für erneuerbare Energien steigern. Im Ergebnis bleiben aber viele Unsicherheiten für die Anlagenbetreiber, insbesondere im Fall der Biogasanlagen hat sich die Situation teils deutlich verschlechtert.

  
Sowohl der Einstieg in die Post-Förderungs-Ära als auch der Ausbau neuer Anlagen benötigt durch die neuen Regelungen eine passende Direktvermarktung. Hier sind vor allem rechtliche Vorgaben zu beachten, um nicht durch Nichtstun vertragsbrüchig zu werden.  Gleichzeitig haben viele Anlagen noch genügend Kapazität, um auch ohne jede Förderung gewinnbringend betrieben zu werden. Mit einer strategisch optimierten Direktvermarktungsstrategie können deutliche Mehrerlöse über die Day-Ahead-, Intraday- und Regelleistungsmärkte für die von den Anlagen zur Verfügung gestellte Flexibilität erzielt werden. Diese Mehrerlöse sind eng mit den Rahmenbedingungen der einzelnen Anlagen verknüpft. Gerade bei Biogasanlagen stellt eine hohe Fahrplangüte einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar, denn deren Verringerung wirkt sich hier überproportional auf die Erlöse aus dem Fahrplanbetrieb aus. In einem grünen Kraftwerk kann die Nutzung des maximalen Verschiebepotenzials für noch attraktivere Einspeisezeiten genutzt werden. EWE setzt auf eine Bündelung der Einspeisung in einem virtuellen Grünen Kraftwerk. Dieses Kraftwerk ist in der Lage flexibel Energie zur Verfügung zu stellen und somit die vorhandene Volatilität der einzelnen Anlagen zu kompensieren. Eine wesentliche Rolle übernehmen hier die Biogasanlagen, die neben Photovoltaik- und Windkraftanlagen Teil des grünen Kraftwerks sind. 

  
Von wesentlicher Bedeutung für die Optimierung der Erlöse ist auch die Größe des grünen Kraftwerks. Das grüne EWE-Kraftwerk, in dem hunderte Biogasanlagen, deutlich mehr Photovoltaik- und viele Windkraftanlagen aufgenommen sind, liefert bereits eine Gesamtleistung von über 3.500 MW. Damit sind die richtige Größe und eine enorme Flexibilität für alle Möglichkeiten der individuellen Vermarktung gegeben. Auf diese Weise gelingt auch der Spagat zwischen dem Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung und einer Deckelung der EEG-Umlage.

 

Digitale Teilhabe

Zu einem positiven Zukunftsbild gehört neben der Energieversorgung auch die Digitalisierung der Welt. Veränderte Lern- und Arbeitswelten erfordern eine leistungsfähige, störungsfreie Infrastruktur. Vom Glasfaserausbau profitieren Unternehmen, Schulen und Haushalte. Mit Milliarden-Investitionen in den Breitbandausbau sorgt EWE im Nordwesten Deutschlands dafür, dass die Region als Wirtschaftsstandort mit hoher Lebensqualität gestärkt wird. Von der Dynamik und Flexibilität, die der digitale Wandel mit sich bringt, sollen Menschen auch außerhalb urbaner Zentren profitieren können. Für EWE gehen deshalb Klimaschutz und digitale Teilhabe Hand in Hand. EWE investiert kontinuierlich in grüne Technologien und digitale Teilhabe und sorgt auf diese Weise für Zukunftsimpulse, die im Leben der Menschen ankommen. 

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